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Forum Gallicum

Färberwaid

"Der König der Farbstoffe"

Der Färberwaid ist eine der ältesten nachgewiesenen Färbepflanzen in Europa. Die frühesten Funde in Deutschland stammen von Geweberesten aus dem keltischen Fürstengrab in Hochdorf aus dem 5. Jhd. v. Chr. Später beschreibt Cäsar im „Gallischen Krieg“, dass sich “alle Britannier mit Färberwaid färben, der eine blau Farbe ergibt, und um so schrecklicher sind sie im Kampfe anzusehen“. Auch der germanische Prachtmantel aus Thorsberg aus dem 3. Jhd. n. Chr. wurde mit Waid gefärbt.

Durch das komplizierte Verfahren des Blaufärbens entwickelte sich im Mittelalter sogar eine eigene Zunft der Blau- oder Waidfärber heraus. Zentrum der deutschen Waidanbauer in dieser Zeit war Thüringen und Städte wie Erfurt wurden dadurch wohlhabend und reich. Durch die Seefahrt allerdings begann man im 17. Jahrhundert die Indigopflanze aus Indien zu importieren. Diese trägt den gleichen Farbstoff wie der einheimische Färberwaid in sich, ist aber wesentlich ergiebiger und billiger. Am Anfang wurden noch Verbote und Strafen erlassen, um den Einfuhr und die Weiterverarbeitung des indischen Indigos zu vermeiden. Im 18. Jahrhundert setzte sich dann die indische Pflanze endgültig durch und verdrängte immer mehr den europäischen Färberwaid.

Als die Firma BASF Ende des 19. Jahrhunderts den chemischen Indigo entwickelte, wurde aber auch die indische Indigopflanze überflüssig und musste dem synthetischen Farbstoff weichen.

Waid im 1. Jahr Blühender Waid im 2. Jahr

Das Färben mit Waid unterscheidet sich beträchtlich von den anderen Färbeverfahren, da der in den Waidblättern vorhandene Indigo ein Küpenfarbstoff ist. D. h., der Farbstoff in der Pflanze ist wasserunlöslich und kann nicht, wie bei einer Direktfärbung, einfach eine Stunde lang kochen, um die Farbe abzugeben. Das Küpeverfahren muss her: Der Farbstoff muss mit Hilfe von Reduktionsmitteln in eine wasserlösliche Form umgewandelt, also verküpt, werden. Für diesen Gärungsprozess benutzte man üblicherweise Urin, in dem die Waidblätter tagelang eingeweicht werden mussten. Da dies heutzutage etwas schwierig ist, gibt es inzwischen auch Rezepte mit chemischen Hilfsmitteln, von denen ich auch eines benutzt habe:

Blätter am Vortag schneiden und ca. 12 Stunden in normal temperiertem Behälter einweichen. Ich hatte für 100 gr Wolle 1 kg frischen Färberwaid eingeweicht (zum Färben werden die Blätter im 1. Jahr geerntet)
Nach12 Stunden testen, ob sich schon Indigo gelöst hat: Etwas Wasser aus dem Behälter in ein Gläschen geben und ca. 1 Teelöffel Kalkwasser, Wasch-Soda oder Kaiser-Natron (hatte ich genommen) unterrühren, dass es schäumt. Wird das Wasser türkis und man sieht Indigokörner absinken, werden 1 – 2 Tütchen Kaiser-Natron komplett mit viel Luft in den Behälter untergerührt.
Wird das Wasser noch nicht türkis, muss der Vorgang eine Stunde später noch mal wiederholt werden. Man kann aber auch mit pH-Papier überprüfen, ob sich schon genug Indigo gelöst hat. Der pH-Wert des Probegläschens sollte bei 9 – 11 liegen.
Danach die Blätter absieben.
Den Topf nun auf 50 °C erwärmen und Hydrosulfit dazugeben (5 gr Hydrosulfit für 1000 gr Waidblätter) und eine halbe Stunden warten. Achtung: Es darf nun keine Luft mehr an die Färbebrühe gelangen.
Nun die Wolle für eine weitere halbe Stunde in die Färbebrühe legen. Die Brühe und die Wolle werden nun gelb, erst an der Luft in Verbindung mit Sauerstoff färbt sich die Wolle blau!
Ergebnis

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