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Brettchenweben

Sonja beim Brettchenweben

Brettchenweben ist eine eigentständige Technik des Webens, bei der mit Hilfe von Brettchen Bänder gewebt werden. Solche Bänder können z. B. als Gürtel oder als Borten zum Verzieren von Kleidung verwendet werden.

Die Technik

Zuerst werden die Kettfäden auf die gewünschte Länge zugeschnitten und durch die Löcher der Brettchen gefädelt. Am gebräuchlichsten sind viereckige Brettchen mit 4 Löchern in jeder Ecke. Es gibt aber auch dreieckige, sechseckige oder viereckige mit zusätzlichen Löchern in der Mitte. Sie sind aus Holz, Knochen, Leder, Elfenbein, Bronze oder Karton.

Sind alle Fäden eingezogen, werden die Brettchen einmal durch die Kettfäden gezogen, um sauber weben zu können. Danach werden die Enden der Kettfäden fixiert und es kann mit dem Weben losgehen.

Der Stapel Brettchen wird um eine viertel Drehung nach vorne gedreht, dann wird der Schussfaden eingelegt. Danach werden die Brettchen wieder um eine viertel Drehung gedreht und der Schussfaden wird von der anderen Seite eingelegt. Sind die Brettchen viermal um eine viertel Drehung gedreht, werden sie viermal zurückgedreht.

 

Brettchen mit eingezogenen Kettfäden von der Seite

Dies ist der einfachste Drehrhythmus. Je nach Muster können die Brettchen auch anders gedreht werden, dies ist dann in dem Webbrief beschrieben.

Es gibt mehrere Varianten, die Bänder zum Weben aufzuziehen. Auch gibt es innerhalb des Brettchenwebens mehrere Techniken. Die gefunden Bänder der Keltenzeit z. B. sind in der Missed-Hole- und Köper-Technik hergestellt. Hier ist nur eine Möglichkeit als Beispiel aufgeführt. Zur weiteren Vertiefung dient das Internet oder unten genannte Bücher.

  

 

 Zinnmäanderraute aus dem Fürstengrab in Hochdorf,  5. Jhd. v. Chr. (Technik: Missed-Hole)

 

 

Eine kleine Geschichte

Die frühesten brettchengewebten Bänder in Deutschland stammen aus den hallstattzeitlichen Fürstengräbern Hohemichele (6. Jhd. v. Chr.) und Hochdorf (5. Jhd. v. Chr.). Diese Funde zeigen bereits die hohe Webkunst der Kelten. Die Borten in Hochdorf wurden nicht nur mit Schafwolle, sondern auch aus Hanfbast und Dachshaar hergestellt. Sie zeigen verschiedene geometrische Muster und sind vornehmlich in blau und rot gehalten.

Für die ersten Jahrhunderte n. Chr. gibt es eine Reihe brettchengewebter Funde aus den Mooren Norddeutschlands. Dazu zählen u. A. die sogenannten "Prachtmäntel", bei denen die Borten direkt an das Tuch angwebt wurden. Der Thorsberg-Mantel z. B. besitzt an zwei Seiten jeweils eine mit 178 Brettchen gewebte Borte und zählt damit zu den prachtvollsten Mäntel seiner Zeit.

Wie in der Eisenzeit die Bänder zum Weben befestigt wurden, ist nicht bekannt. Der erste Fund eines erhaltenen Webstuhls stammt aus der Wikingerzeit im 9. Jhd. In Norwegen wurde innerhalb des "Osebergschiffes" ein angefangenes Band mit 52 Brettchen gefunden, wobei die Kettfäden noch an dem Webstuhl befestigt waren.

Im Mittelalter gibt es neben den Funden von Brettchen und Bändern auch erstmals bildliche Darstellungen. Bis ins späte Mittelalter wurden noch brettchengewebte Bänder verwendet, danach verschwindet diese jahrhundert alte Webkunst aus Mitteleuropa.

 

Brettchengewebte Bänder

.... bis sie 1896 von Frau Margarethe Lehmann-Filhés wiederentdeckt wurde. Eigentlich wollte sie nur einen Aufsatz über "Kulturgeschichtliches aus Island" verfassen, als sie bei ihrer Recherche auf den Ausdruck "spjaldofid" ("mit Brettchen gewebt") stieß. Ihre Freunde aus Island konnten ihr bestätigen, dass es diese Kunst in Island gibt, aber nicht, wer sie ausübt. Später sah sie dann in einem dänischen Museum ein halbfertiges Band, bei dem die Kettfäden noch durch die Brettchen gezogen waren. Die Herstellerin des Bandes gab ihr eine Anweisung und Fr. Lehmann-Filhés erlernte sich nun selbst das Brettchenweben mit den verschiedenen Techniken. Zusätzlich fand sie heraus, dass diese Art zu Weben nicht nur in den Randgebieten Europas, sondern auch immer noch in Marokko, im vorderen Orient oder in Indonesion gebräuchlich war. Ihr 1901 erschienens Buch "Über Brettchenweberei" erweckte das allgemeine Interesse am Brettchenweben wieder.

Heute wird wieder auf historischen Märkten mit Brettchen gewebt, in Webgruppen, zu Hause im Wohnzimmer oder in der Mittagspause im Büro.

 

 

Literaturhinweise zur Technik:

Collingwood, Peter: The Techniques of Tablet-Weaving

Staudiegel, Ottfried: Der Zauber des Brettchenwebens

 

Literaturhinweise für historische Hintergründe (mit Webanleitungen):

Banck-Burgess, Johanna:  Hochdorf IV - DieTextilfunde aus dem späthallstattzeitlichen Fürstengrab von Eberdingen-Hochdorf und weiter Grabtextilien aus hallstatt- und latènezeitlichen Kulturgruppen
Keltenmuseum Heuneburg: bunte Tuche, gleißendes Metall - Frühe Kelten der Hallstattzeit

 

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