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Kettenhemdherstellung 

Die Kettenhemdherstellung

Ursprung

Gallischen Krieger mit charakteristischem Kettenpanzer. Vachères, 1. Jh. v. Chr.

Entgegen landläufiger Meinung ist es weder eine Erfindung des Mittelalters noch der Römer. Die ersten Hinweise stammen aus griechischen Texten über die Skythen, einem Reiter-Nomadenvolk, welches ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. in Südrussland und der Ukraine bis zum Dnjepr ansässig war. Bei diesen trugen die Fürsten Jacken mit aufgenähten Ringen. Im Keltischen Kultur-Raum entwickelte sich im 3. Vorchristlichen Jahrhundert hieraus das, was wir heute als Kettenhemd bezeichnen. Archäologisch nachweisbar sind bisher nur äußerst wenige Stücke, welche wenn überhaupt nur als kleine Fragmente überlebt haben. Dies erschwert die Aussage über das Aussehen und die Machart erheblich. Allerdings geben uns einige bildhafte Abbildungen, wie jene auf dem Fries des Pergamonaltars aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr., wo ein Kettenhemd inmitten von keltischen Beutewaffen abgebildet ist, oder die nebenstehende Statue, eine Ahnung des ursprünglichen Aussehens. Dieses hatte bereits die Form, wie sie insbesondere für römische Kettenhemden bis in die frühe Kaiserzeit charakteristisch blieb. Diese Form hat auch das einzige vollständig! gefundene Kettenhemde (Kirkburn).

Herstellung

Die übliche Bezeichnung "Kettenhemd" ist eigentlich nicht ganz zutreffend. Es handelt sich vielmehr um ein Gewebe aus einer Vielzahl miteinander verbundenen Einzelringen, bei dem, wie unten abgebildet, jeder Ring mit vier weiteren verbunden ist. Daher die hierfür übliche Bezeichnung "4 in 1".  Bis auf ein Fragment, bei dem ein Ring 6 weitere verbindet(Tiefenau), sind alle anderen Fragmente von dieser Machart.

Der für die Fertigung der Einzelringe benötigte Draht wurde aus einem Eisenklumpen so lange ausgeschmiedet bis ein Draht der gewünschten Dicke entstand. Es gibt allerdings auch Hinweise, das die Kelten das, laut Lehrmeinung erst im Mittelalter aufkommende, Draht-Zieh-Verfahren beherrschten. Der nunmehr entstehende Draht wird um ein Rundstab gewunden. Von der hierbei entstehenden Spirale werden die einzelnen Ringe abgetrennt. Diese offenen Ringe sind das Ausgangsmaterial für die Kettenhemdherstellung. Aus diesen Einzelringen werden nun mehr oder weniger lange Ketten gebildet, die anschließend miteinander verbunden werden. Die Fertigung erfolgt entweder horizontal oder vertikal oder auch in (Teil-)Stücken.

Qualitäten und Ausblick

Die bekannten Fragmente lassen die begründete Vermutung zu, dass eine deutliche Entwicklung zu dünneren Drahtstärken, geringeren Ringdurchmesser und einzeln vernieteten Ringen stattgefunden hat. Die Drahtstärken bewegen sich im Bereich von 0,8 bis 2 mm. Die Außendurchmesser der Ringe gehen bis auf 4,8 mm (Baldock) herunter. Wobei auch Ringe aus Bronze bekannt sind (Tiltenberg, Doubs). Ein Großteil der Ringe ist vernietet. Die Maßangaben sind allerdings vorsichtig zu bewerten, da die Fundstücke eher die Form von Rostklumpen haben, was die Maßabnahme sehr erschwert.

Ein Kettenhemd hat den Vorteil, dass es den Träger im Vergleich zu starrer Körperpanzerung nur unerheblich in seiner Bewegungsfähigkeit einschränkt. Die Schutzfunktion ist gegen flächige Einwirkung (Schlag) sehr gut aber gegen punktuelle Belastung (Pfeilbeschuss, Stöße) nur geringfügig gegeben. Dies ist aber auch bei den anderen damals bekannten Körperschutz wie Leinenpanzerung (Linothorax) oder solche aus Leder, nicht anders gewesen. Einzig ein Schutz aus Schuppenplatten dürfte eine bessere Schutzwirkung gehabt haben, welcher allerdings mit höherem Gewicht und erheblich geringerer Bewegungsfreiheit erkauft wurde. Auch forderte die vermutete Kampfweise der Kelten eher einen Schutz gegen Hiebe als gegen Stöße. Somit war das Kettenhemd wohl die am besten geeignete keltische Körperpanzerung. Dies lässt es mehr als folgerichtig, wenn nicht sogar zwingend gegeben, erscheinen, dass das Kettenhemd von der römischen Militärverwaltung übernommen wurde. Während bei den Kelten die Fertigung wohl von einigen wenigen Spezialisten in handwerkliche Einzelanfertigung erfolgte, wurde das römische Pendant manufakturmäßig, das heißt arbeitsteilig, hergestellt. Hierfür wurde auch die Fertigung durch ersetzen jeder zweiten Reihe durch vorgestanzte Ringe, das heißt, fertige Ringe wurden nur noch mit einem anschließend vernieteten Ring verbunden. Dies dürfte erst die Fertigung der benötigten Mengen von etwa 4500 bis 5000 Stk. pro Legion möglich gemacht haben. Ein Keltischer Hersteller dürfte, unter Berücksichtigung der Zeiten, die bei heutigen Nachfertigungen benätigt werden, vermutlich auf einen Jahresausstoß von 4 bis 5 Hemden gekommen sein. Es dürfte der Wahrheit ziemlich nahe kommen, wenn man die römischen Kettenhemden als die "Industrie-Variante von der Stange"  bezeichnet. Ob allerdings die geringe Verbreitung keltischer Kettenhemden dem vermutlich sehr hohen Entstehungsaufwand oder der ebenfalls bekannten Varriante der Kelten zum Gefecht in Adamskostüm geschuldet ist, mag dahingestellt bleiben. Tatsache ist, dass kaum ein keltischer Krieger ein Kettenhemd getragen haben dürfte, da neben mehreren tausend gefundenen Schwertern nur etwa 12 Hemdfragmente bekannt sind. Mit Untergang des Römischen Reiches wurde das Kettenhemd durch Platten- bzw. Schuppenpanzern ersetzt, um als Reimport aus dem Orient, wieder zu erscheinen. Diese Mittelalterlichen Hemden erreichten allerdings nie mehr die Feinheit der antiken, insbesondere der keltischen Vorläufer in Drahtstäke und Ringdurchmesser.

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